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Der Schatten Download Lied MP3 (ca. 2 MB)
© Jörg Lütjohann
G D
Die Möwen schrein im Morgenwind.
C G
Die Sonne wärmt den Strand.
G D
Die Wellen plätschern schaumgekrönt
C G
und spülen in den Sand.
e C
Doch ein Schatten fällt stahlgrau und schwer
A D7
auf das Bild und ins Gemüt
e A
und im Herzen wird dir kalt und eng
C D D7 G
und blass und stumm wird alles, was da lebt - und lacht und blüht.
G D
Die Masten wippen sacht im Wind.
C G
Ganz leise knarrt das Tau.
G D
Hoch oben treiben weiße Wolken
C G
durch das Himmelblau.
e C
Doch ein Schatten fällt stahlgrau und schwer ...
G D
Pflasterstraßen zwischen Fachwerkgiebeln,
C G
du durchstreifst sie gern.
G D
Hier schlägt das Herz der Fördestadt.
C G
Stress und Hektik sind hier fern.
e C
Doch ein Schatten fällt stahlgrau und schwer ...
e C
Doch Vernunft vertreibt den Schatten,
A D7
wo ihr Licht erstrahlt und glüht -
e A
und der Schatten zieht vorüber
C D D7 G
und das Bild wird wieder hell und alles lebt - und lacht und blüht.
Die Schildbürger und die neue Zeit
Jörg Lütjohann
Die Schildbürger lebten nun schon viele Jahre glücklich ihr beschauliches Leben. Die Handwerker taten ihr Werk, die Kaufleute betrieben ihr Geschäft, die Fischer fuhren auf der Schildbucht zum Fang aus und alle pflegten das rechte Maß an Narrheit, dass Schilda zu einem anmutigen und liebenswerten Städtchen machte.
Oft und gern kamen auch Besucher, die sich hier jährlich einmal von den Anstrengungen ihrer Verstandesleistungen erholen wollten, die sie in ihren Heimatstädten bei der Erfüllung ihrer alltäglichen Pflichten erbringen mussten. Auf diese Weise hatte auch mancher Gastwirt ein auskömmliches Dasein
Die Narrheit der Schildbürger hielt sich dabei in wohlausgewogenen Grenzen: Ihr Rathaus war längst nicht mehr dreieckig, sondern hatte nur noch eine leicht asymmetrische Vorderfront. Die alljährlich von See her einfallenden Piraten hießen sie freundlich willkommen, passten sich für ein paar Tage deren Gepflogenheiten an und wurden von den wilden Horden alsbald wie Kumpane angesehen und entsprechend glimpflich behandelt. Und der possenhafte Einfall, den Posten des Schultheißen mit einer Frau zu besetzen, erwies sich im Nachhinein als nicht gar so närrisch.
So hätte alles in den gewohnten Bahnen weiterlaufen können, wenn nicht ein junger Mann von aufstrebendem Ehrgeiz auf den absonderlichen Einfall gekommen wäre, ein besonders verwegenes Narrenstück in die Welt zu setzen. Unzufrieden damit, dass seit je dieselben Ratsleute den Gang der Dinge mehr oder minder lenkten, beredete er die braven Bürger, sich wieder mehr auf die alten schildbürgerlichen Tugenden zu besinnen und dass alles besser werde, wenn man ihn und seine Freunde an Stelle der bisherigen zu Ratsherren machte. Er werde dafür sorgen, dass in Schilda eine neue Zeit anbreche. Die Bürger bedachten sich kurz und kamen zu dem Schluss, dass an seinen Ausführungen genug Narrheit wäre, um einen Versuch zu wagen.
Kaum war der neue Rat im Amte, da redete man sich die Köpfe heiß, auf welche Weise man die bisherigen Possen übertreffen konnte. Es musste etwas sein, was alles Dagewesene an Tollheit übertreffen würde, sozusagen ein Meisterstück der Narretei. Wenn das geschafft wäre, dann würden von überallher im Lande, gewiss sogar aus fremden Ländern, die Menschen nach Schilda wallfahren, um dieses Wunder an Aberwitz zu bestaunen. Das würde Handel und Wandel um ein Beträchtliches befördern.
Es war auch bald ein Plan gefunden, der für das angestrebte Meisterwerk in Frage kam: Man wollte ein Schiff anschaffen, mit dem man unter Wasser fahren konnte!
Aber ob das nicht noch zu sinnvoll sei, fragten die Einen. Nein, wurde erwidert, man werde es zuvor unbrauchbar machen - was übrigens auch noch ein gutes Stück Geld kosten werde.
Kaum war dieser Einwand zu aller Zufriedenheit ausgeräumt, meldeten sich andere kritische Stimmen: Aber Schiffe, so meinten sie, die nicht unter Wasser fahren, habe so manche andere Stadt auch im Hafen liegen. Wo sei da dann die angestrebte Torheit?
Daran hätte das Vorhaben fast scheitern können. Doch zum Glück kam man bald auf einen passenden Einfall: Man werde das Schiff eben aus dem Wasser herausheben und irgendwo in der Stadt auf Land setzen.
Als einer der ehemaligen Ratsherren zu Bedenken gab, dass das Schiff innerhalb der Stadtmauern möglicher Weise gar nicht genug Platz finden würde - schließlich sei es anderthalb mal so lang wie der Rathausmarkt - wurde er zurechtgewiesen, er solle nicht so klug daherreden, in Sachen Torheit verstehe man keinen Spaß! Zum Glück für manches Haus, das man hätte niederreißen müssen, wurde dann jedoch auf eine praktische Erprobung verzichtet.
Zu aller Erleichterung fiel einigen ein, man könne ja das Unterwasserschiff direkt neben dem Hafen auf Land setzen, das sei doch auch ganz schön töricht und da sei es besonders gut zu sehen. Immerhin sei es ja reichlich acht Klafter hoch.
Das aber brachte neue Bedenken hervor: Wenn es zu gut zu sehen sei, ob das nicht arglistig als Rückfall in die Vernunft ausgelegt werden könnte? Doch da wurde man erst richtig rege in seinen Überlegungen: Wie wäre es, wenn man es an Ort und Stelle eingrabe? Als noch jemand hinzufügte, dass das auch recht teuer käme, so dass dann Geld für sinnvolle Unternehmungen entsprechend knapper werde, wurde laut gejubelt: So werden wir es machen! Keiner wird uns je wieder Vernunft vorwerfen können! Und alles wurde beschlossen und durchgeführt.
Von Nah und Fern strömten nun Besucher herbei, um sich bei eigenem Augenschein im Kopfschütteln zu üben. Handel und Wandel blühten auf. Die lachenden Mienen der Gäste deutete man großzügig als Freude über ein gelungenes Werk und ein gescheiter Mann prägte den Spruch „Pecunia non illudit.“ Das war bestimmt mindestens lateinisch und die Schildbürger fühlten sich sehr geschmeichelt, denn das schwer verständliche Wort eines sogenannten Experten galt viel unter ihnen.
Das auf Land eingegrabene, teure, unbrauchbare Unterwasserschiff war zwar wirklich ein wenig groß und bei näherem Hinsehen ein Schandfleck für die einstmals idyllische Stadt. Aber mit der Zeit änderten sich die Verhältnisse. Nein, das Schiff wurde nicht schöner, es schrumpfte leider auch nicht auf eine handliche Größe zusammen, die es erlaubt hätte, es einfach fortzuwerfen. Sondern die Gäste blieben aus.
Nachdem sie das monströse Narrenstück einmal gründlich bestaunt hatten und klar war, dass Schilda mit diesem Ungetüm nicht mehr so beschaulich und anmutig war wie ehedem, sahen sie sich nach anderen Plätzen um, wo sie von ihren alltäglichen Vernunftspflichten ausspannen konnten, ohne mit der Nase ständig auf derlei Tollheiten stoßen zu müssen.
Und auch dies gilt: Selbst der beste Witz verliert an Reiz, wenn man ihn ein zweites Mal anhören muss. !
Ein Sofa ohne Stacheldraht © Lj 19.9.2004
1. Ein Sofa ohne Stacheldraht, das find ich richtig nett.
Eine Schaufel ohne Abflussrohr halt ich trotzdem für komplett.
Und wenn ’ne Stadt kein U-Boot hat, da bin ich ganz gewiss,
dass ich trotzdem an dieser Stadt das U-Boot nicht vermiss’.
2. Eine Kerze ohne Handschuhfach ist für mich nicht ohne Wert.
Eine Tasse ohne Blitzableiter find’ ich nicht verkehrt.
Und wenn ’ne Stadt kein U-Boot hat, da bin ich ganz gewiss,
dass ich trotzdem an dieser Stadt das U-Boot nicht vermiss’.
3. ’ne Trompete ohne Schaumstofffüllung ist nicht ohne Sinn.
Eine Brille ohne Rückspulknopf nehm’ ich ohne Zögern hin.
Und wenn ’ne Stadt kein U-Boot hat, da bin ich ganz gewiss,
dass ich trotzdem an dieser Stadt das U-Boot nicht vermiss’.
4. Ein Paar Schuhe ohne Absperrgitter ist für mich okay.
Eine Torte ohne Klettverschluss schreckt mich nicht, wenn ich sie seh’.
Und wenn ’ne Stadt kein U-Boot hat, da bin ich ganz gewiss,
dass ich trotzdem an dieser Stadt das U-Boot nicht vermiss’.
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